Kapitalbeschaffung - Der Schwarm macht's möglich

Crowdfinancing ist eine Möglichkeit für Unternehmen, sich Kapital von privaten Kleinanlegern zu beschaffen. Die Schwarmfinanzierung hilft Mittelständlern besonders in der Phase vor der Gründung – und um Ideen zu testen.

HamburgSeit 1880 stellt die Berliner Schokoladen-Manufaktur Sawade Pralinen und Trüffel her. Über 120 Jahre florierte der Verkauf der süßen Gaumenfreuden, dann rutsche das Unternehmen in die Krise. 2013 übernahm das Ehepaar Benno und Melanie Hübel die insolvente Firma. Mit einem Finanzierungsmix aus Eigenkapital, Darlehen und stillen Beteiligungen starteten sie durch. Seit Anfang 2014 probieren die Neu-Eigentümer des 50-Mitarbeiter-Betriebes ein neues Finanzierungsinstrument aus: Crowdfinancing. Über die Plattform Companisto beschafft Sawade sich Kapital von privaten Kleinanlegern.


Von rund 350 Schwarminvestoren, mit Einzelsummen ab fünf Euro, sind so schon fast 320.000 Euro zusammengekommen. Sawade verspricht ihnen für ihre endfälligen Nachrangdarlehen jährlich acht Prozent Zinsen. Damit kann Benno Hübel das Image seines Old-Economy-Betriebes polieren: „Wir bekommen über die Plattform Zugang zu rund 40.000 überwiegend jungen, internetaffinen potenziellen Kunden.“ Auch innerhalb der Süßwarenbranche habe der Auftritt bei Companisto für Aufmerksamkeit gesorgt: „Wir werden mittlerweile als junges, innovatives und wachstumsstarkes Unternehmen wahrgenommen. Das ist unbezahlbar.“


Crowdfinancing ist im Mittelstand angekommen, betont der Münchener Unternehmensberater Torsten Herzberg. „Vor allem Unternehmen mit einer großen oder einer geschlossenen, sehr stark miteinander vernetzten Zielgruppe, haben gute Chancen, einen Investorenschwarm für sich zu interessieren.“ Mittelständler kommen nicht nur an Kapital, sondern gewinnen auch Erkenntnisse über den Markt. Durch die Reaktion der Masse können sie frühzeitig erkennen, ob ein Projekt oder ein Produkt Aussicht auf Erfolg hat.


Mittelständlern stehen für eine Schwarmfinanzierung mittlerweile viele Plattformen zur Verfügung. Companisto und Seedmatch sind die bekanntesten deutschsprachigen. Darüber hinaus gibt es spezialisierte Plattformen wie Bankless.24, ein auf den Mittelstand fokussiertes Portal, CrowdEner.gy.de für Erneuerbare-Energie-Projekte sowie Exporo.de, Mezzany.de und Zinsland.de, die für Immobilienfinanzierungen eingerichtet wurden.


Was macht man mit dem Schwarm im Haus?


Über Exporo.de hat sich auch die Baufirma Wernst Werte, die seit 30 Jahren am Markt ist, Kapital für ein Neubauprojekt mit 50 Wohnungen in Hamburg besorgt: 1,25 Millionen Euro von Anlegern kamen bei einer Mindestanlage von 500 Euro zusammen. Jährliche Verzinsung: sechs Prozent. Diese Kosten seien zwar nicht gering, „aber dafür ist das Projekt solide und eigenkapitalschonend durchfinanziert“, sagt Oliver Talanga, Vorstand der Firma Wernst Werte, die die Summe von Exporo.de als Nachrangdarlehen erhält: „Das Geld aus der Crowd lässt sich sehr unkompliziert in unsere Finanzierungsabläufe integrieren.“

Crowdfinancing nutzen Unternehmen vor allem in der Seedphase, also vor der Gründung. Was aber macht man mit dem Schwarm im Haus, wenn Venture-Capital-Gesellschaften später dazukommen? Robert Henker, Geschäftsführer der Berliner Fintech-Company Cashboard hat es erlebt: Das Unternehmen hat 2012 und 2013 über die Plattform Seedmatch von 479 Kleinanlegern 450.000 Euro erhalten. „Damals war unser Konzept bei Banken und institutionellen Investoren noch weitgehend unbekannt“, erläutert Henker. Die Kommunikation mit den Schwarmmitgliedern habe ihn zwar viel Zeit gekostet, „aber gut angelegte Zeit“.


Mit wachsendem Erfolg wurde die Venture-Capital-Szene auf Cashboard aufmerksam: Redalpine Ventures, Earlybird, der Company-Builder Makers und Pro Sieben Sat 1 stiegen bei der Plattform für Online-Geldanlage für unterschiedliche Anlageklassen ein. Weil Profis aber nicht gerne mit „Lieschen Müller“ an einem Tisch sitzen, machten die Hauptstädter ihren Crowdinvestoren nach zwei Jahren das Angebot, alle Kleinkredite plus 48,5 Prozent Zinsen zurückzuzahlen.


70 Prozent der Anleger stimmten zu. Henker: „Die verbliebenen 30 Prozent, vornehmlich Schwarminvestoren mit höheren Darlehenssummen, sind selbst Unternehmer, überblicken den Wachstumsprozess mit Hilfe der Venture-Capital-Gesellschaften oder identifizieren sich mit uns ganz besonders.“ Das bedeutet ein dezidiertes Stakeholder-Management: „Die Schwarmanleger werden wir weiterhin informieren, die Venture-Capital-Gesellschaften beteiligen sich wie üblich aktiv mit.“

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Kommentare: 3
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